Montag, 6. Februar 2012

Kolumbien - Mit Abstand aber in Gedanken

Das Projekt in Montebello war etwas Besonderes für mich und die Arbeit mit den Kids der Schule San Pedro hat mir viel Freude bereitet. Ich habe von ihnen wahrscheinlich mehr gelernt als sie von mir und hoffe, dass vielen von ihnen die Lebensfreude und Warmherzigkeit, die ich erleben durfte, erhalten bleiben.

Jetzt bin ich schon fast ein Jahr wieder zurück. Ich bin eingeschneit und mit dem Studium beschäftigt. Die Wärme und das einmalige Ambiente von Cali sind so weit weg, dass ich mir kaum noch vorstellen kann wie es sich anfühlt dort zu sein.

Der Schritt nach Kolumbien war einer von vielen wichtigen in meinem Leben. Heute kann ich sagen was schön war und was weniger; was richtig und was falsch. Die Vergangenheit kann man nicht ändern. Man kann sich nur weiterentwickeln in der Gegenwart und Zukunft. Auch wenn die Zeit durch das Studium momentan sehr knapp ist hoffe ich sehr, dass ich nochmal etwas in Richtung Montebello und Schule fürs Leben tun werde.

Meine Zeit in Kolumbien hat mich sicherlich älter gemacht. Ich habe mehr gelernt als ich mir vorstellen konnte. Dass dazu auch manchmal Angst und Schmerz gehören ist mit Abstand betrachtet wahrscheinlich das Normalste der Welt. 

In einer Woche werde ich nach Frankfurt fahren zum Rückkehrerseminar. Ich freue mich ein paar Freunde und Weggefährten wiederzusehen und nochmal ein wenig nachzudenken zu können über die Zeit in Cali.


Caminante son tus huellas el camino y nada mas
Caminante no hay camino, se hace camino al andar
Al andar, se hace camino, y al volver la vista atras
Se ve la senda que nunca se ha de volver a pisar
Caminante no hay camino, sino estelas en la mar.
Antonio Machado

Wanderer, es sind deine Spuren der Weg, und nichts weiter. 
Wanderer, es gibt keinen Weg; man erschafft den Weg im Gehen. 
Im Gehen erschafft man den Weg, und wenn man den Blick zurückwendet, 
sieht man den Pfad, den man nie wieder zu gehen haben wird. 
Wanderer, es gibt keinen Weg - nur Kielspuren eines Schiffes im Meer. 
Übersetzung von Barbara Haab






Guckt es Euch an, informiert Euch und eine Spende wird mit großem Dank entgegengenommen.

Alles liebe und vielen Dank nochmal an alle die mich unterstützt haben, 
Suerte,
Thomas

Montag, 7. März 2011

Wieder in Deutschland

Unten seht ihr noch ein paar Fotos, die ich in den letzten Wochen in Montebello gemacht habe. 








Alles Liebe und schöne Grüße. Suerte!!!
Thomas



Freitag, 31. Dezember 2010

Dezember in Cali

Weihnachten ist vorbei. Und ehrlich gesagt hätte ich das um ein Haar verpasst. Die Temperaturen sind unverändert und außer ein paar Lichtern und Details in Wohnungen und Einkaufszentren läutet hier nichts die Weihnachtszeit ein.
Das mit Abstand größte Event ist hier in Cali nicht Weihnachten, sondern die Feria de Cali. Die Feria ist so etwas wie eine riesige Party, die um Weihnachten beginnt und bis Silvester dauert. Geschäfte und Banken schließen um 12, wir haben in Montebello um 13 Uhr Schluß, und die ganze Stadt ist im Ausnahmezustand.
Weihnachten in Montebello
Es gibt Konzerte, Stierkämpfe, Salsa-Shows und Partys überall. Gut, dass ich mittlerweile schon gut tanze und mich ohnehin für die Musik begeister. So kann ich das alles noch viel intensiver erleben. Stierkampf finde ich generell nicht besonders gut, aber die Atmosphäre ist großartig und es gehört irgendwie zur Kultur.






Im Moment ist also eine Zeit zum Genießen, bis es dann im neuen Jahr wieder richtig mit Arbeit etc. weitergeht.
Ich wünsche Euch allen schöne Dezembertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2011! 

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Viel Sonne, viel Regen und ein wenig Schatten

Wir haben hier zwar "Winter" und eine Menge Regen zwischendurch, aber dennoch scheint die Sonne oft und heftig. Nicht nur den Sonnenschein, sondern auch Licht in Bezug auf die Arbeit, Freunde und neue positive Erfahrungen gibt es immernoch mehr als genug.

Im Moment arbeite ich in einem Bauprojekt an der Deutschen Schule. Von 7 bis 16 Uhr renoviere ich dort mit Lehrern und Auszubildenden des Colegio de las Aguas eine Bambuskonstruktion, die auf Grund schlechter Bauweise erneuert werden muss. Hier komme ich aber auch viel in Kontakt mit Menschen, vor allem Jugendlichen. Durch die Hilfe einer Freundin, die auf die Deutsche Schule geht und die ich vor einigen Wochen auf einer Party kennengelernt habe, kann ich jetzt den Schulbus nutzen. Vorher habe ich einen öffentlichen Bus genommen, der mich durch Umsteigen und Fußwege fast zwei Stunden gekostet hat. Das Colegio Aleman - die Deutsche Schule - ist nämlich sehr weit weg, fast am anderen Ende der Stadt. Morgens werde ich um kurz nach 6 abgeholt und um 17 Uhr bin ich wieder zu Hause. Die Arbeit ist richtige Bauarbeit. Ich lerne jeden Tag mehr. Anfangs habe ich eigentlich nur aufgeräumt, Bambus geschleppt und mich auf die Mittagpause gefreut, in der ich mit Schülern in der Kantine esse und quatsche. Mittlerweile macht mir die Arbeit mit den Kollegen aus Montebello aber richtig Spaß und ich kann schon viel besser mit den Werkzeugen umgehen. Ich bin zwar immer dreckig und meine Hände mussten sich erstmal an die Arbeit gewöhnen, aber ich bin sehr zufrieden. Voraussichtlich werde ich bis Weihnachten in dem Bauprojekt sein.


Kollegen aus Montebello: Luigi, Japxon, Ruben, Nancy


Der Chef Rafa, auch "Pirata" genannt


Am letzten Freitag haben wir einen Flohmarkt in Montebello, im Colegio de las Aguas, veranstaltet. Dafür habe ich vorher Freunde im Colegio Aleman und im Bekanntenkreis nach ausrangierten Klamotten, Büchern, Spielzeugen, Deko usw. gefragt. Viele haben mich unterstützt und der Flohmarkt, auf dem es auch typisches kolumbianisches Essen gab, war ein voller Erfolg.
 Deutsche Flohmarktverkäufer in Trikots

Am Samstag habe ich auch mit einigen Jungs aus der Organisation in Montebello gearbeitet, damit eine Konstruktion dort schneller fertiggestellt werden kann. 

Auch neben der Arbeit gibt es viel zu erzählen. Ich versuche einige Ereignisse der letzten Wochen mal zusammenzufassen: Bauchtanzauftritt meiner Gastschwester Margarita und Freundinnen, ihr 18. Geburtstag inklusive Essen gehen und Party, Salsa-Show "Delirio" (es gibt wohl keine bessere Salsa-Show weltweit), weitere Tanzabende (aktiv!), einen Sonntag in einer Finka in den Bergen, ein sensationelles klassisches Konzert von vielen Fundacionen (in einer arbeitet die Frau meines Mentors und eine Freundin, die auch Weltwärtslerin ist und Geige spielt) und mit rund 480 jugendlichen Protagonisten aus unterschiedlichsten sozialen Schichten und und und ...
Delirio: Musik, Tanz, Show.. SALSA

Klassisches Konzert in einem Hangar des Militärs



Wo viel Licht ist, gibt es natürlich auch Schatten. Auch wenn die Sonnenseite überwiegt, kann ich das nicht verschweigen.. Auf Grund eines Mordes in Montebello und einer ungeklärten Sicherheitslage musste ich leider das Laternenfest absagen. Außerdem sollte ich erstmal einige Zeit nicht nach Montebello. Da meine Kinder schon Ferien haben, ist das nicht so schlimm gewesen. Das ist mittlerweile auch alles geklärt. Die Situation ist geklärt und wir können wieder unbesorgt hoch fahren. Die Polizeipräsenz wird etwas größer sein, aber alles ist bestens. Am 12. Januar geht es in meinem Projekt weiter.
Das mit dem Schatten ist eigentlich auch eher generell. Ich habe einiges erfahren, was doch sehr heftig ist und zeigt, dass es hier neben einer fröhlichen bunten Kultur auch eine Kultur der Gewalt gibt. Eine Frau, die in dem Armenviertel Aguablanca wohnt hat mir erzählt, dass in ihrem Straßenblock in 6 Tagen 4 Menschen erschossen wurden. Außerdem wurde mir schon oft gesagt, dass es viele Orte gibt, an denen man Auftragsmorde kaufen kann. Ein Auftragsmord kostet um die 10 Euro. Ich kann das nicht bezeugen, aber das haben mir verschiedene Kolumbianer erzählt. Bei dem Mord in Montebello handelt es sich wohl um einen Fall von Selbstjustiz. Hier wird das "soziale Säuberung" genannt. Der junge Mann, der erschossen wurde, war schon oft in der Gemeinde durch Raube aufgefallen. Um sich zu schützen passiert es in den Brennpunkten dann manchmal, dass sich Leute aus der Gemeinschaft rächen, bzw. für "Ordnung" sorgen wollen. Falls jemand mal was von Cali und dem Leben eines jungen Deutschen in Kolumbien sehen will, kann er sich den Film "Doctor Aleman" angucken. Auf uns Deutsche wirkt der Film sehr hart, etwas übertrieben vielleicht. Aber die Menschen in Siloé, dem Viertel in dem der Film spielt, sagen er sei viel zu harmlos. Es ist schon eine etwas verrückte Welt...
Der Bezug zu Gewalt und Waffen wird selbst in meiner Grundschule deutlich. Wenn die Kinder etwas malen sollen, was ihnen gefällt, malen mindestens 6-10 Jungs pro Klasse eine Waffe. Die Hälfte der Jungs wollen Soldat oder Polizist werden. Waffen tragen und einfach Geld verdienen... Es ist traurig, aber Realität.

Naja immerhin gibt es auch hier Lichtblicke. Das aktuelle Projekt, in dem ich mit Jugendlichen aus Montebello arbeite zeigt, dass man Veränderungen schaffen kann. Die Ausbildung und der Arbeitsalltag gibt den Teenagern eine Perspektive. Eine Perspektive ohne Waffen und Gangs, und die Chance, Geld auf ehrliche Weise zu verdienen.

Eine kurze Anmerkung habe ich noch zu meinem letzten Post: Es ist eine Art Ironie des Schicksals... Am Montag war im Colegio Aleman früher Schulschluss, weil es kein Wasser mehr gab. Es ist zwar noch nie vorher vorgekommen und die Ursache war irgendwie unklar, doch es ist schon komisch, wenn so etwas auch an einer Privatschule passiert, für die Eltern über 200€ pro Monat bezahlen.
Das Colegio Aleman..

..irgendwie abgehoben

Schulkantine

Leguan auf dem Schulgelände


Es ist jetzt 21 Uhr hier, aber weil ich morgen früh um 5:40 Uhr austehen muss, gehe ich jetzt schon schlafen. 
Ich wünsche Euch allen alles Liebe und ein paar Sonnenstrahlen aus Cali.

Freitag, 5. November 2010

No hay agua! oder: Von Regenzeit und Wasserknappheit

Das letzte Wochenende habe ich in Bogotá bei meinem Amigo David verbracht. Bogotá ist nicht nur die Haptstadt Kolumbiens. Es ist mit etwa 7 mio. Einwohnern auch mit Abstand die Größte. Bogotá ist nur eine knappe Flugstunde von Cali entfernt, aber das Klima in den hohen Anden ist vollkommen anders. Eine Durchschnittstemperatur von 13,3°C (laut Wikipedia) fühlen sich nach dem traumhaften Cali-Klima unglaublich kalt an. (Tut mir Leid liebe Freunde in Deutschland, aber unter 20°C geht garnicht!) 
Wir haben die Stadt erkundet, waren typisch essen, haben Davids Uni angeguckt, waren auf Halloween-Partys mit irren Kostümen und Vieles mehr...
Ich bin letzten Endes allerdings nicht nur wegen des Klimas zu dem Schluss gekommen, dass Cali meine Stadt ist (bald werde ich mal ausführlich über Cali berichten). Die Einwohner Bogotas sagen, dass Cali, Medellin etc. keine richtigen Städte seien, doch mir gefällt mein großes Dorf viel mehr. Das liegt zum einen an der Übermenge an Autos, die einem teilweise das Atmen erschwert, am Stadtbild, am Ambiente, naja und irgendwie muss ich doch wieder Klima sagen.
Dennoch hatte ich ein großartiges (wegen der vielen Feiertage wieder verlängertes!!) Wochenende und habe einigen schöne und besondere Orte gesehen, die Ihr jetzt auch teilweise sehen könnt:
Kleiner Ausschnitt...

...von Bogota.

Mit David beim Mittagessen in den Bergen
Verkleidete Musiker im Restaurant "Andrés Carne de Res"

Also hatte ich eine kurze letzte Schulwoche vor den großen Ferien bis 11. Januar 2011. Also Ferien haben die Kinder. Ich werde wieder im Colegio de las Aguas bzw. der Bibliothek Montebellos arbeiten.
Noch eine Sache zu Bogotá: es war dort nicht nur kalt, sondern auch sehr regnerisch. Fast jeden Tag hat es geregnet. Hier ist es mittlerweile ähnlich. Es ist zwar noch angenehm warm, aber jeden zweiten Tag regnet es heftig und viel. Der kolumbianische Winter halt...
Der Regen ist zwar Wasser, aber er hilft nicht ein Problem in Montebello zu lösen: das Wasserproblem.
Schon am Anfang meiner Arbeit an der staatlichen Schule wurde mir erklärt, dass die Wasserversorgung außerhalb der Stadt problematisch ist. Sie wird von privaten Unternehmen organisiert, die ihre Arbeit eher schlecht als recht machen. Es gab schon vor einiger Zeit etliche Beschwerden, weil das Wasser nicht einmal gechlort ist. Trinken sollte man Wasser hier eigentlich sowieso nicht aus der Leitung, aber zum Waschen, Abkochen oder Zähneputzen sollte es schon reichen... Auf den Dächer stehen oft Wassertanks (siehe Foto unten), die ein einzelnes Haus mit Wasser versorgt. Klospühlungen gibt es in Montebello nicht. Man muss nach dem Geschäft einen Wassereimer in die Toilette kippen, damit alles langsam runtersickert. Heute und gestern gab es in der Schule nicht mal mehr genug Wasser dafür. Die Wassertanks waren leer. Die Konsequenz, die viele Schüler glücklich machte: Schulschluss um 10 Uhr. 
Wasserbehälter der Schule



Das wars erstmal wieder aus meinem Leben in CaliColombia. 
Ich wünsche Euch alles Liebe und Gute. 






 

Sonntag, 24. Oktober 2010

Mit dem Auto nach Kolumbien

Und wieder ist eine Schulwoche vorbei... Der Kurzurlaub am letzten Wochenende mit meiner Familie war wunderbar. Die Region "El eje cafetero" ist traumhaft. Eine Vielzahl von Pflanzen, Schmetterlingen, Vögeln, Kaffee- und Bananenplantagen, auf einer Höhe von etwa 1800m, bieten einem viel Natur und frische Luft zum Durchatmen nach den ersten Wochen im nach Abgasen riechenden Großstadtdschungel.
Ameisen en masse - groß und stark

El eje cafetero

Etwa zweieinhalb Autostunden von Cali entfernt


Am Dienstag ging es wieder an die Arbeit. Der Wecker um Viertel vor 6 ist mein größter Alptraum, aber die Helligkeit hilft sehr beim Wachwerden.
In meiner Escuela San Pedro begrüßen mich die Kinder liebevoll wie immer. Ich habe jetzt einen Stundenplan und lerne somit jede Klasse kennen. Die Klassenstufen heißen hier 0 (Vorschule), 1, 2, 3, 4a, 4b, 5, AC (Beschleunigung; hier sind Kinder von 11 bis 13 Jahre, die später eingeschult wurden und noch nicht lesen und schreiben konnten). Ich habe in verschiedenen Klassenstufen die Jahreszeiten in Deutschland und die Laternenfestidee vorgestellt. Die Kinder sind von der Idee begeistert. Obwohl niemand Vorkenntnisse in der deutschen Sprache hatte, haben wir gleich mit "Ich gehe mit meiner Laterne" angefangen. Das ging in jeder Klasse unterschiedlich gut, aber die meisten Kinder haben schon kräftig mitgesungen. 
Am Mittwoch war ich zuerst wieder in der zweiten Klasse. Die Kinder hier sind zwar sehr anhänglich, aber von allen die verhaltensaufälligsten. Als ich eine ruhige Minute mit der Lehrerin hatte, hat sie mir die Geschichten einzelner Kinder erzählt. Jede ist eigen, aber alle sind ähnlich hart. 

Daniel, der lauteste Junge, der fast immer in Streit, wenn nicht in einer Prügelei ist, ist ein Beispiel. Er und seine Familie wurden auf Grund von Guerilla und Bürgerkrieg vertrieben, bzw. "umgesiedelt" wie es hier heißt. Sie kamen nach Cali und hatten nichts. Keinen Job, kein Geld, kein Zuhause, keine Ausbildung. Der Vater ist Straßenverkäufer von gebrannten Filmen und ähnlichem. Der Bruder ist drogenabhängig und seit einiger Zeit verschwunden. Die Mutter arbeitet auch. Als was habe ich nicht genau verstanden, aber im nächsten Satz sagte mir die Lehrerin: "Das Viertel im Zentrum, wo die Familie wohnt, ist bekannt für Prostitution und Pornographie." Die Lehrerin hat Daniel einmal zu Hause besucht, um mit den Eltern zu sprechen. Alle wohnen in einem Zimmer. Zusammen mit Ratten und Kakerlaken.
Alejandro ist auch in der zweiten Klasse. Sein Vater ist im Gefängnis. Der neue Freund seiner Mama auch.
Luis' Vater wohnt irgendwo anders. Seine Mama arbeitet immer. Der neue Mann der jungen Oma - hier bekommen viele Mädchen zwischen 14 und 17 Kinder - ist das neue Familienoberhaupt. Gewalt ist für ihn Alltag.
So ungefähr ging es dann weiter. Drogen, Kriminalität, Prostition, Gewalt...  
Vor etwa zwei Wochen habe ich die Armut hier zu spüren bekommen, als ich am hellen Tag ausgeraubt wurde. Ich habe nie mehr bei mir außer etwa 2€ für den Transport und meinem 18€-Handy. Eigentlich wollte ich das nicht in den Blog schreiben, damit sich niemand unnötige Sorgen macht. Meine Mama weiß aber mittlerweile Bescheid und ich will keine wichtigen Wahrheiten weglassen. 
Den Leuten, häufig auch Drogenabhängigen, geht es nur um Materielles. Ein Paar Pesos sind schon genug. In Montebello sind derartige Fälle nicht so normal. In den letzten Jahren ist das keinem der Freiwilligen dort passiert. Die Polizeipräsenz ist jetzt größer und es gab eine Festnahme. Außerdem kennt man sich im Dorf. Die meisten Leute wissen was wir Deutschen machen und schätzen die Arbeit. Nach dem Raub waren viele Leute beschämt und haben uns sofort Hilfe angeboten. Es wird nicht wieder passieren... In Montebello ist die Gefahr mit Abstand geringer als in anderen Viertel in der Stadt. Man muss wissen wo und wann man sich aufhalten kann. Und ich kann allen sagen: Wir sind sehr vorsichtig und keinem wird etwas passieren. 






Der Donnerstag und der Freitag in der Schule waren super. So langsam bekommt die Arbeit Routine. Ich habe den Kindern aller Stufen von Deutschland erzählt und Fotos von Hamburg gezeigt. Sie waren fasziniert. Ob ich denn mit dem Auto nach Kolumbien gekommen sei? Ich habe also eine Karte an die Tafel gemalt, den Kindern einige Wörter auf deutsch beigebracht, ihnen erzählt was wir für Tiere, Früchte, Fortbewegungsmittel, Landschaften, Temperaturen haben, dass es unterschiedliche Jahreszeiten gibt, dass die Uhrzeit in Deutschland anders ist und und und... Das Fremde und Unbekannte interessiert sie sehr. 



Heute ist Sonntag. Morgen früh geht es wieder an die Arbeit. 
Viele Grüße aus Cali!!